Autoren-Interview


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Willkommen auf der Autoren-Interview-Homepage mit Anne West

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    Interview


    Name
    Anne West (richtiger Name: Nina George)

    Alter und Wohnort
    Geboren im Jahr 1973, lebt in Hamburg

    Internet
    www.ninageorge.de und www.annewest.de

    Welche/s Berufsausbildung / Studium besitzen Sie?
    Fachabitur, Kaltmamsell, Komparsin, Reinigungskraft; kein klassisches Volontariat, und nicht an der Universität, sondern mehr im Leben studiert.

    Was/Wer hat Sie zum Schreiben gebracht?
    Das Lesen! Vor allem die Werke von Stephen King, Anais Nin, John Irving und Raymond Chandler lockten die Sehnsucht, ebenfalls zu schreiben – denn Schriftsteller dürfen einfach alles. Sie dürfen Gott töten oder sie neu erfinden, sie dürfen lügen und die Wahrheit sagen, sie können – sofern sie gut sind – verzaubern, glücklich machen, verführen. Es ist ein ewiges Spielen, das Schreiben, nur mit mehr Arbeit.

    Wie haben Sie das Schreiben gelernt?
    Ich bin Autodidaktin gewesen, schrieb als Teenager Kurzgeschichten und Erzählungen, imitierte mal den Stil von King, mal von Nin, mixte es mit mir selbst und wusste nicht genau, was ich da eigentlich tat. 1993 wurde ich – mit 19, und nachdem ich eine Geschichte „unverlangt eingesandt“ hatte – freie Redakteurin bei einem politisch inkorrekten Männermagazin; die Herren dort waren gestandene, reichlich gegen den Strich gebürstete Journalisten, sehr old school, Hemingway meets Kisch. Sie liebten Sprache, sie liebten ihren Job, sie waren zynisch und dennoch leidenschaftlich. Genau die richtigen Typen, um einer jungen Frau zu zeigen: Okay, du hast Talent, du hast Träume, du hast Ideen. Aber das Schreiben ist keine Kunst. Es ist Handwerk. Und wir zeigen dir, wie du jede Textform mit Handwerk nach Kunstwerk aussehen lassen kannst.
    Sie verklärten das Schreiben nicht, sie wussten, wie es mal eine Waffe, mal Magie, mal eine Liebkosung sein konnte. Und wo verdammt noch mal mehr Absätze rein gehören!
    Von ihnen lernte ich das Grundhandwerk eines Reporters – und sicher auch die Einstellung, dass Sprache und Erzählhandwerk nicht nur für höhere literarische Ansprüche dienen. Der selige Dichter in der Absteige, werkelnd am Jahrhundertroman, der Aufklärer mit Botschaft: das war ihnen, und schnell auch mir, zu wenig. Bis heute arbeitete ich sowohl als Journalistin, Kolumnistin, Reporterin, als auch als Schriftstellerin sowie Sachbuchautorin; ich bin ein „working writer“, der immer noch trainiert. Jede Textform bekommt dieselbe Aufmerksamkeit, ob die Kolumne, der Krimi, die Bildunterschrift.
    Schreiben kommt vom Schreiben. Vom Lesen und vom Leben. Ich lerne von jedem gelesenen Buch mehr – von den schlechten oft besser als von den guten Büchern. Jeder gut geschriebene Artikel, Kommentar oder Report gibt mir eine neue Feinheit an die Hand. Und natürlich: Jedes selbst geschriebene Buch und vor allem die Überarbeitung sind eine ewige Schreibschule.

    Wie kamen Sie zu diesem Thema?
    Obgleich ich in verschiedenen Genres unterwegs bin – Thriller, Krimi, Roman, Sachbücher über sexuelle Kulturen und rätselhafte Gefühle – , haben alle Anfänge etwas gemeinsam: Nicht ich kam zu dem Thema, das Thema kam zu mir. Ob es eine winzige Zeitungsmeldung war, die mich alarmiert hat („50-jährige Italienerin bringt gesunden Sohn zur Welt – Embryo war neun Jahre tiefgefroren“) oder ein gehörter Dialog an einem Tresen irgendwo in der Großstadtnacht („Wieso sind Frauen mit Erfahrung Schlampen und Männer nicht“?): Etwas bleibt hängen. Verhakt sich. Nimmt mehr Gedankenraum ein. Manchmal scheint es fast so, als ob die Figuren mich so lange nerven, bis ich ihre Geschichte aufschreibe.

    Wie gestalten Sie das Schreiben? Was ist Ihnen wichtig?
    Ich will beim Schreiben allein sein. Die Jahre in den Redaktionen waren lang genug, ich genieße es, seit elf Jahren zu Hause zu arbeiten, ob im Büro oder mit dem Laptop am Küchentisch.
    Da ich Berufsschreiberin bin, ist das Ritual weniger magisch: Schlafen so lange es nötig ist (Minimum acht Stunden, sonst passiert im Kopf rein gar nichts poesievolles), aufstehen, in die Küche tapsen, Kaffee kochen. Korrespondenz erledigen, Onlinezeitungen lesen, die erste von zig Zigaretten anstecken. In den Kalender schauen was heute an Abgaben dran ist – Frauenzeitschrift, Tageszeitungs-Kolumne, Kundenzeitschrift? Sofern ich an einem Roman oder Sachbuch arbeite: Nach dem Tagesgeschäft das durchlesen, was zuvor geschrieben wurde, überarbeiten, weiter arbeiten. Oft in den Abend hinein, so gegen halb zwölf geht der Rechner vielleicht aus.
    Wenn das rund läuft, ist das Leben groß und schön. Wenn sich die Buchstaben heraus quälen als hätten sie Angst, zu Tode zu kommen sobald sie das virtuelle Papier berühren, ist es der ätzendeste Beruf von der Welt. Aber aufgeben gilt nicht.

    Wie wird die Geschichte gefunden?
    Siehe oben: Die Geschichte findet mich.

    Wie entsteht und entwickeln sich die Protagonisten/Geschichte?
    Ich nenne meine Figuren nicht Protagonisten – nicht mehr. Seitdem sie mir vorkommen wie Verwandte, die mich eine lange Zeit begleiten. Und: Seitdem ich weiß, dass ich sie auch erst kennen lernen werde, je mehr Zeit wir miteinander beim Schreiben und Nachdenken verbringen; überhaupt ist das Denken über das Schreiben um so vieles raumgreifender und zeitfressender als das Schreiben selbst. Von der Recherche noch mal abgesehen, für die Wissenschaftsthriller etwa.
    Meine Figuren begleiten mich überall hin. Zum Einkaufen, aufs Klo, in die Bar. Ich habe es aufgegeben, sie bewusst zu konstruieren; ich versuche, hinzuspüren, wer sie sind. Wer sie sein können, entwickelt sich zusammen mit der Geschichte.
    Von der weiß ich allerdings stets den Anfang, und das Ende. Was dazwischen geschieht, ist mir selten klar; es entwickelt sich während des Schreibens, und ist eine Mischung aus Gefühl, Überraschung, dem Wissen um das Wesen des Drei-Akters und der damit verbundenen nötigen Dramaturgie. Jeder, der viel liest, verinnerlicht diese Dramaturgie irgendwann; dafür muss man nicht zwingend einen Kurs besuchen.

    Sind Sie aufgeregt bevor Sie anfangen bzw. den ersten Satz schreiben?
    Ja. Am Anfang ist man Gott. Frei. Alles ist möglich. Nach etwa 50 Seiten wird es ernst. Dann ist man nur noch Knecht. Der Diener der Geschichte. Ich weiß, es wird eine lange Reise werden – und sie anzutreten, ist sehr aufregend. Auch nach 22 Büchern noch. Es wird es immer sein.

    Wie und wann entstand der Wunsch an die Öffentlichkeit zu gehen?
    Ich dachte beim Schreiben zunächst nicht ans Veröffentlichen. Die ersten Stories wanderten in die Schublade. Das Erzählen war der Genuss für sich – das abendliche, nächtliche Schreiben, das einsame, herrlich egoistische Glück, eine Welt aus Wörtern zu erschaffen. Die mir gehörte. Nur mir. Oder einfach die eigene Meinung hinaus zu brüllen – wenn auch nur das Papier zuhörte.
    „Schick doch mal ne Story weg“, sagte mir meine Schwester, als ich 18 war und ich ihr ein paar meiner nächtlichen Elaborate vorgelesen hatte (mit hochroten Wangen).
    Machte ich (mit feuchten Fingern). Die Story wurde gedruckt.
    Und alles wurde anders. Ich wurde Schreiberin. Und es war die ersten Jahre ganz und gar entzückend, über oder unter Artikeln meinen vollen Namen stehen zu sehen. Denn was haben wir Schreiber denn mehr, als nur unseren Namen?

    Wie haben Sie einen Verlag gefunden?
    Bei meinem ersten Buch (Gute Mädchen…) war es so, dass ich das Manuskript mit etwa 20 Jahren angefangen hatte und mit 23 fertig war. Es war mein Privatvergnügen gewesen, abends nach dem Job bei dem Münchener Magazin, zu schreiben, was ich will, nicht, was ich muss.
    Nun lagen da 380 Seiten. Ich fragte einen Zeitschriftenverleger, was man denn normalerweise macht mit so einem Ding; er empfahl mich an einen Agenten. Der trabte drei Verlage ab, und vier Wochen später hatte ich zwei Angebote im fünfstelligen Bereich.
    Das liest sich hier ganz nüchtern, für mich aber war es Schock, Feuerwerk, Wahnsinn. Ich war 23 und hatte nicht damit gerechnet, Buchautorin zu sein – Autoren waren für mich ungemein erwachsene, kluge, lebensgestählte Menschen. Aber doch nicht Leute wie ich. Prompt korrigierte ich das Geburtsdatum meines (damals geschlossenen) Pseudonyms Anne West und machte mich erstmal zwei Jahre älter.
    Ich blieb bis heute (2010) mit Anne West bei Knaur. Inzwischen sind wir beide gleich alt.

    Wie viel Zeit räumen Sie dem Schreiben bzw. wie binden Sie es in Ihren Alltag ein? Gibt es einen bestimmten Rhythmus?
    Schreiben ist mein Alltag und meine Freizeit. Ich schreibe an etwa sechseinhalb Tagen die Woche.

    Leben Sie davon oder haben Sie noch einen anderen Beruf?
    Ich lebe davon und dafür.

    Vermitteln Sie Ihre (Schreib-)Kenntnisse und Erfahrungen z. B. in Form von Kursen weiter?
    Ja. Ab und an gebe ich Seminare für Jugendliche.

    Welchen Stellenwert nimmt das Schreiben bei Ihnen ein?
    Schreiben ist die Priorität in meinem Leben. Zum Glück geht es meinem Mann ebenfalls so – er ist Schriftsteller mit den Sujets historischer Roman, Gegenwartsroman und Psychodrama. Wir brauchen einander nicht zu erklären oder zu überspielen, wie glücklich, süchtig, unglücklich die Schreiberei macht. Und es ist schön, sich gemeinsam davon zu erholen oder ohne schlechtes Gewissen einander von den Figuren und Geschichten erzählen zu können, gemeinsam rumzuspinnen oder sich auch mal aufzurichten, wenn die Story gerade stockt und man alles aus dem Fenster werfen will. Und sich selbst gleich hinterher.

    Was machen Sie, wenn Ihnen mal nichts einfällt? Haben Sie Tricks/Übungen gegen Schreibblockaden?
    Ich habe mich inzwischen leidlich an die niedrigtourigen Phasen gewöhnt – weil ich weiß, dass sie vorbei gehen. Niemand kann 24 Stunden täglich ganz und gar wunderbar schreiben.
    Man muss Luft holen, bevor man schreit. Oder singt. Und so sind Momente, in denen wenig geht, eben das Luftholen.
    Manchmal hilft es mir, raus zu gehen. Leute gucken, auf Wasser starren, Gewichte stemmen. Ich habe auch ein, zwei Notfallbücher, die ich lese, wenn ich an meiner Geschichte, an mir und dem Zweck meines Daseins so tief zweifele, dass ich mich am liebsten aufschlitzen will: Mark Helprin, Der Soldat aus dem großen Krieg, und die Tagebücher Anais Nin, in denen sie über das Leben und Schreiben schreibt.

    Haben Sie noch andere Hobbys / Interessen?
    Hmm… Lesen. So viel es geht. Klavierspielen, mit dem Rad durch die Gegend brettern, ein bisschen Zeichnen. Leben. Nichts bereuen.
    Und boykottieren. Das ist gar nicht so einfach – ich boykottiere verschiedene globale Kosmetik-, Nahrungsmittel- und Getränkefirmen, weil mir ihre Geschäftsgebaren, ihre Umweltsauereien, ihr Umgang mit Menschen und Ressourcen, extrem missfallen. Das ist in sofern ein „Hobby“, weil es Zeit kostet – zur recherchieren, welche Marken und Brands zu welchem Sauhaufen gehören, und auf die Suche nach Alternativen zu gehen, die weniger Schaden und Müll hinterlassen.

    Wie verbringen Sie Ihren Urlaub?
    Gar nicht. Aber er fehlt mir, und ich glaube, ich hätte gern mal einen. Wo es mild ist, wo es nach Meer riecht, und wo ich Stundenlang durch die Gegend laufen oder fahren kann und aus allen Anblicken trinken.

    Was wünschen Sie sich für die Zukunft; welche Pläne haben Sie noch?
    Ich wünsche mir… die Emanzipation des Konsumenten, der es in der Hand hat, sein hart erarbeitetes Geld für Produkte auszugeben, die unsere Erde nicht hinrichten. Ich wünsche mir Gesundheit. Ich wünsche mir einen Bestseller, dessen Tantiemen mich zeitlich entlasten, damit ich mehr Romane schreiben kann – und mehr reisen. Ich wünsche mir, dass die großen drei Weltreligionen aufhören, Frauen immer noch als Wesen zweiter Klasse zu sehen. Ich wünsche mir, weiter zu lieben und mich frei zu fühlen.
    Ich wünsche mir weiterhin Figuren, die mich nerven, damit ich ihre Geschichte schreiben kann. Ich wünsche mir, wirklich satt vom Leben zu werden, bevor es zu Ende ist.

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    Buchvorstellungen


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    Wie Frauen jeden Mann verrückt machen vor Verlangen: Von der Kunst der Verführung über Vorspiele, die es in sich haben, bis zur Erfüllung erotischer Geheimnisse - Anne West zeigt Frauen, was Männer wirklich wollen.
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    Sex verändert das Leben. Das Leben verändert den Sex: Mit 14 Angst vor dem ersten Mal, das dann kreuzlangweilig ist. War das normal? Mit 17 einige Liebhaber und den Satz im Ohr: Du bist so routiniert. War das nicht normal? Mit 19 der Wunsch, Sex zu haben wie ein Mann: reuelos. Es wurde mechanisch. Mit 27 die Sehnsucht nach geborgener Sexualität schmerzlich gespürt. Mit 30 gewusst, was ich will, aber nicht, wie. Männer, die da mithalten können: Fehlanzeige. Mit 32 endlich der Sex, den ich haben will. Den gesunden Egoismus entdeckt. Mit Liebe. Hardcore. Zärtlichkeit. Mit 33 die Frage: Jetzt ist es schön. Aber wie können wir den guten Sex halten? Muss ich mir Gedanken machen, weil wir es nicht alle zwei Tage tun, sondern nur alle fünf? Und wieso sieht er mich lieber verschlafen im Frotteemorgenmantel als in Strapsen? Sind wir normal, so normal? In Feeling - Das Gefühl erzählt Anne West von Sex in allen Lebenslagen. Mit vielen Beispielen, erotischen Episoden und der erlösenden Botschaft: Sex ist Privatsache! Schluss mit der Oversex-Hysterie, holen wir die Lust wieder in unser eigenes Leben zurück!

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